Blog: Die vergessene Grenze wiederentdecken (6) [DE]

In diesem Blog berichten die Studierenden, die an der Exkursion „Die vergessene Grenze wieder entdecken. Spurensuche von Danzig bis Oberschlesien!" teilnehmen, vom 19. bis zum 26. Mai 2018 täglich von den jeweils absolvierten Etappen – angefangen in Katowice und endend in Gdynia. Dem Thema entsprechend erscheinen alle Blog-Einträge in deutscher und in polnischer Sprache.

[Polski]

Der sechste Tag unserer Studienreise begann mit einem Besuch des Bezirksmuseums in Piła. Der Leiter der Historischen Abteilung des Museums, Marek Fijałkowski, stellte uns die reiche Geschichte der ehemaligen Stadt Schneidemühl vor, erzählte von der kulturellen Vielfalt des Alltags der Einwohner der Stadt – Polen, Deutsche und Juden – in der Zwischenkriegszeit und schmückte sie mit Anekdoten zur Geschichte und Architektur Piłas.

Marek Fijałkowski erzählt uns vom Alltagsleben der Grenzsoldaten in Piła. Foto: Ondřej Cinkajzl | oc-photo.com

Marek Fijałkowski erzählt uns vom Alltagsleben der Grenzsoldaten in Piła. Foto: Ondřej Cinkajzl | oc-photo.com

Zahlreichen Grenzsteinen kam nach der Entfernung von ihrem ursprünglichen Aufstellungsort ein interessantes Schicksal zu. In dieser Hinsicht erscheint die „vergessene“ Grenze immer „lebendiger“ – selbst wenn ihre Bestandteile nun einen gewissermaßen dekorativen Zweck erfüllen. Foto: Ondřej Cinkajzl | oc-photo.com

Zahlreichen Grenzsteinen kam nach der Entfernung von ihrem ursprünglichen Aufstellungsort ein interessantes Schicksal zu. In dieser Hinsicht erscheint die „vergessene“ Grenze immer „lebendiger“ – selbst wenn ihre Bestandteile nun einen gewissermaßen dekorativen Zweck erfüllen. Foto: Ondřej Cinkajzl | oc-photo.com

So etwa litt die Stadt unter Bränden, Kriegsverheerungen und späteren stadtbaulichen Veränderungen – von drei Marktplätzen blieb beispielsweise kein einziger erhalten. 30 Jahre nach dem Krieg wurde eine der wichtigsten katholischen Kirchen in zentraler Lage am Fluss Noteć gesprengt. Zu Gründen und Durchführung der Sprengung des Kirchengebäudes gibt es keine Quellen – mit Ausnahme von vier Fotografien, die heimlich gemacht worden waren, bevor der Fotograf vom „Tatort" entfernt wurde. Anstelle der Kirche wurde das Hotel Gromada Rodło erbaut, in dem wir auch übernachteten. Das Restaurant an der Insel in der Noteć wiederum, in welchem wir die fünfte Etappe unserer Reise ausklingen ließen, befindet sich dort, wo einst die Mühlen standen, auf die der deutsche Name von Piła zurückgeht – Schneidemühl.

Im Bezirksmuseum besichtigten wir auch die aktuelle Sonderausstellung über den polnischen Grenzschutz in den Jahren von 1928 bis 1939, auf der militärische Ausrüstungen, alte Landkarten und Fotografien sowie persönliche Gegenstände der Soldaten zu sehen sind. Eines der dort gezeigten Exponate, die Uniform eines Grenzsoldaten, war so gut erhalten geblieben, dass sie als Vorlage für die Kostümentwürfe im polnischen Film Vabank 2 diente. Unser Ausstellungsführer lenkte unsere Aufmerksamkeit insbesondere auch auf Archivaufnahmen von Grenzsteinen, die noch bis vor einigen Jahrzehnten den alten Grenzverlauf markiert hatten, bis sie von Geschichtsliebhabern und Einheimischen weggetragen worden waren, u.a. auch in ihre eigenen Gärten.

Die Grenze „erfahren“ wir teilweise auch darüber, indem wir Eisenbahnverbindungen folgen, weshalb Bahnhofsgebäude, wie etwa das in Zbąszynek, Chojnice oder das hier fotografierte in Piła verlässliche Zwischenhalte unserer Reise darstellen. Foto: Ondřej Cinkajzl | oc-photo.com

Die Grenze „erfahren“ wir teilweise auch darüber, indem wir Eisenbahnverbindungen folgen, weshalb Bahnhofsgebäude, wie etwa das in Zbąszynek, Chojnice oder das hier fotografierte in Piła verlässliche Zwischenhalte unserer Reise darstellen. Foto: Ondřej Cinkajzl | oc-photo.com

Auf dem Weg nach Gdynia, dem Ziel unserer Exkursion, machten wir kurz am Bahnhof von Chojnice und der Ordensburg Schlochau in Człuchów halt, die Teil einer Route gotischer Schlösser ist.

Am Abend schließlich erreichten wir Gdynia und erfreuten uns an den letzten Sonnenstrahlen sowie dem wunderschönen Blick aufs Meer. Mehr zur Geschichte der Stadt erfahren wir dann aus dem letzten Teil dieses Reiseblogs.

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