02.03. do 05.03.2017 w Darmstadt, Niemcy

Kosmos Lem. Zivilisationspoetik, Wissenschaftsanalytik und Kulturphilosophie

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Call for Papers


Stanisław Lem (1921-2006) hat sich in seinem literarischen Schreiben und philosophisch-essayistischen Denken wie kaum ein zweiter Autor des 20. Jahrhunderts mit der Bedeutung sowie Zukunft von Technik und Wissenschaft auseinandergesetzt. Lems überaus vielfältiges, ideen- und sprachschöpferisch geradezu überquellendes – ja den Charakter eines eigenen Kosmos – besitzendes Werk ist auch für aktuelle Diskussionen etwa zum Thema der virtuellen Realität, der Gentechnologie oder der künstlichen Intelligenz unbestritten bedeutsam. Dennoch scheinen Lems Beiträge zur kritischen Reflexion der technologischen Zivilisation in der aktuellen Forschung eher in den Hintergrund gerückt zu sein. Das imposante Ganze erfreut sich zwar internationaler Anerkennung und Lem ist der meist gelesene und meist übersetzte polnische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Zugleich aber wird er vorschnell als bereits bekannter Klassiker abgehakt. Und abschließend eingeordnet finden wir ihn letztlich in der Schublade der Science-Fiction-Literatur.

Die Konferenz „Planet Lem" (02.-04. März 2017) in Darmstadt macht diese Situation zum Ausgangspunkt einer breit angelegten Neubetrachtung von Lems Auseinandersetzung mit der Welt der Technik. Ihr Ziel ist es, die etablierten Einordnungen des Werks kritisch zu beleuchten und unorthodoxe Lektüren zu erproben. Angestrebt wird eine breit gefächerte Neukontextualisierung von Lems Schaffen in Literatur und Essayistik. Ein besonderes Anliegen ist es, den bisweilen in insularer Isoliertheit und monolithischer Abgeschlossenheit präsentierten Autor und Denker Lem in variierenden Zusammenhängen zu verorten, so dass die Stellung, aber auch die historische Genese des bis heute faszinierenden Œuvres sichtbar werden.


Für die Konferenz zeichnen sich folgende Fragestellungen und Themen ab, auf die sich die Auseinandersetzung mit dem Lemschen Kosmos konzentrieren soll:

  • Die Stellung von Lems Beitrag zur Reflexion der Technik vor dem Hintergrund der Wissenschafts- und Technikphilosophie
  • Humanismus bzw. Posthumanismus in der technischen Welt und die Grenzen des Menschlichen.
  • Lems Menschenbild zwischen Zeitlosigkeit und Zeitgebundenheit
  • Das Problem der Erkenntnis: Möglichkeiten und Grenzen der menschlichen Erkenntnis, Befangenheit und Verstrickung in Anthropozentrik,
  • Sprache und Kommunikation: Der Kontakt mit dem Anderen
  • Lem als Autor und Leser: Welche literaturhistorischen Anlehnungs- und Wirkungskontexten können beim polnischen Autor festgestellt werden?
  • Lem und die Science-Fiction – ein ambivalentes Verhältnis:.
  • Bio- und psychowissenschaftliche Grenzfelder im Werk von Lem:
  • Lem und die Politik: Inszenierungen politischer Herrschaft
  • Lem und die Wissenschaft: das Spannungsverhältnis zwischen idealisierter, „Gelehrtenrepublik" und manifester Wissenschafts- und Gesellschaftskritik.

Die Konferenz ist interdisziplinär. Teilnehmen können Vertreterinnen und Vertreter der Geistes- und Sozialwissenschaften ebenso wie der Naturwissenschaften und technischer Disziplinen. Konferenzsprachen sind Deutsch und Polnisch (Simultandolmetscher).

Ausgerichtet wird die Konferenz vom Deutschen Polen-Institut Darmstadt und der Technischen Universität Darmstadt in Kooperation mit den Universitäten Mainz, Bremen und Posen/Poznań. Organisatoren sind: Prof. Dr. Alfred Gall (Mainz) Prof. Dr. Petra Gehring (Darmstadt), PD Dr. Peter Oliver Loew (Darmstadt), Dr. Yvonne Pörzgen (Bremen/Uljanovsk).

Bitte schicken Sie Abstracts (maximal 1.800 Zeichen) bis zum 8. Dezember 2016 an Dr. Peter-Oliver Loew (loew@dpi-da.de)

Kontakt

Peter Oliver Loew
Deutsches Polen-Institut, Residenzschloss, Marktplatz 15, 64283 Darmstadt