Rezension: Bezpieczeństwo energetyczne Polski w ujęciu autonomicznym i zintegrowanym z Unią Europejską [DE]

Falk Flade (Frankfurt/Oder)

Diese Rezension erschien zuerst am 19.10.2015 bei Pol-Int.

Ankunft des Flüssiggastankers Al Nuaman im neuen Flüssiggasterminal Świnoujście (Creative Commons)

Ankunft des Flüssiggastankers Al Nuaman im neuen Flüssiggasterminal Świnoujście (Creative Commons)

Der Sammelband „Bezpieczeństwo energetyczne Polski w ujęciu autonomicznym i zintegrowanym z Unią Europejską" (dt. Die Energiesicherheit Polens aus autonomer und EU-integrierter Sicht) ist das Ergebnis der zweijährigen Arbeit mehrerer polnischer Bildungseinrichtungen und Wirtschaftsinstituten. An der Publikation beteiligten sich insgesamt neun Autoren. Ziel des Bandes ist es, einen Beitrag zur Diskussion über die weitere Energiepolitik der Europäischen Union zu leisten. Dabei wird insbesondere die Unterordnung der Energie- unter die Klimapolitik kritisiert. Die Dekarbonisierungsbemühungen der EU würden gerade im Kohleland Polen zu nicht vertretbaren volkswirtschaftlichen Kosten führen. Diese Kritik stützt sich auf die Analyse dreier Entwicklungsszenarien. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass eine Gleichberechtigung aller Energiequellen – also die Nicht-Diskriminierung der Kohle – die beste Lösung für Polen wäre.

Die neun Beiträge des Bandes folgen keinem übergreifenden Schema, sondern stellen das Thema Energiesicherheit aus verschiedenen Blickwinkeln dar. Insgesamt präsentieren alle Aufsätze viele, sich zum Teil wiederholende Kennzahlen zum polnischen und europäischen Energiesektor. Der erste Beitrag(Paweł Bożyk/Honorata Nyga-Łukaszewska) legt das theoretische Fundament und liefert eine kurze Genese sowie Definitionen des Begriffs „Energiesicherheit" aus polnischer, europäischer und globaler Sicht. Im zweiten Beitrag führt Paweł Bożyk drei Szenarien bezüglich der zukünftigen Entwicklung der polnischen Energiepolitik bis 2020 aus. Er stellt gewissermaßen den Kern des Bandes dar, weil er über die reine Beschreibung von Ist-Zuständen hinausgeht. Der dritte Beitrag (Grażyna Wojtkowska-Łodej) thematisiert den Einfluss der EU-Mitgliedschaft auf die polnische Energiepolitik. Beitrag Nummer vier (Ireneusz Bil) arbeitet die weiterhin signifikanten Unterschiede zwischen west- und ostmitteleuropäischen Volkswirtschaften heraus – insbesondere im Hinblick auf Energieintensität und Schadstoffausstoß. Janusz Komosiński geht im fünften Beitrag auf die Funktionsweise des europäischen Gasmarktes sowie dessen Einfluss auf die weitere Entwicklung des polnischen Gasmarktes ein. Der sechste Beitrag (Jerzy Rutkowski) ist fast vollständig dem russischen Erdgasunternehmen Gazprom und seinen wirtschaftlichen Aktivitäten in der EU und Polen gewidmet. Wiesław Iskra beschreibt im siebten Beitrag die langjährigen polnisch-russischen Beziehungen im Energiesektor und kritisiert die in Polen vorherrschende ablehnende Haltung gegenüber einer Kooperation mit Russland. Der achte Beitrag (Tomasz Motowidlak) stellt Zustand und Entwicklungsrichtung des polnischen Energiesektors vor dem Hintergrund europäischer Richtlinien dar. Der neunte und letzte Beitrag des Bandes (Dorota Niedziółka) geht auf den polnischen Stromsektor und seine grenzüberschreitenden Netzverbindungen ein. Im Folgenden möchte ich insbesondere die Beiträge von Paweł Bożyk sowie Wiesław Iskra vorstellen.

Der Beitrag von Paweł Bożyk, ein langjähriger Kenner des polnischen Energiesektors, ist deshalb von besonderem Interesse, da er über eine reine Beschreibung von Ist-Zuständen hinausgeht und durch die Darstellung von möglichen Entwicklungsszenarien eine Diskussionsgrundlage bereitstellt. Das erste Szenario geht davon aus, dass der polnische Energiesektor weiterhin überwiegend auf heimischer Kohle basieren wird. Im zweiten Szenario wird der polnische Energiesektor sich vollständig der europäischen Energiepolitik mit ihrem Fokus auf den Umweltschutz unterordnen. Das dritte Szenario räumt dem polnischen Energiesektor die Möglichkeit ein, verschiedene Energieträger gleichberechtigt zu nutzen.

Gegen das erste Szenario spricht nach Meinung des Autors der extrem hohe Investitionsbedarf, um die Förderung entsprechender Kohlemengen zu gewährleisten. Dabei handele es sich nicht nur um den Aufschluss neuer Kohlegruben, um die seit Jahren fallenden Fördermengen erneut zu steigern. Auch der überwiegend aus den 1970er Jahren stammende Kraftwerkspark müsse grundlegend modernisiert werden. Darüber hinaus bezieht der Autor auch die Kosten für die Sanierung des Stromübertragungsnetzes mit ein, das durch Übertragungsverluste von überdurchschnittlichen 12 Prozent gekennzeichnet ist. Insgesamt kommt Bożyk auf einen Investitionsbedarf von stattlichen 200 Milliarden Euro bis 2030!

Allerdings ist nach Meinung des Autors auch das zweite Szenario, eine völlige Unterordnung der polnischen Energiepolitik unter die europäischen Vorgaben, mit hohen Kosten verbunden. Aufgrund der derzeitigen Kohlelastigkeit seines Energiesektors müsse Polen in den kommenden Jahren CO²-Emmissionsrechte in steigendem Umfang erwerben. Dies führe zu einem deutlichen Anstieg der Strompreise und damit zu einer Schwächung des allgemeinen Wirtschaftswachstums. Hier führt Bożyk Zahlen der Landeswirtschaftskammer (Krajowa Izba Gospodarcza) an, nach deren Berechnungen sich das Wirtschaftswachstum 2030 um 5 Prozent, 2050 sogar um 12 bis 14 Prozent reduzieren würde. Außerdem hält der Autor die zugrunde liegende EU-Klimapolitik für überambitioniert und daher verfehlt. Ohne die Einbindung der weltgrößten Emittenten von Treibhausgasen wie der USA, China oder Indien seien einseitige Beschränkungen der EU Geldverschwendung. Vielmehr solle sich Polen auf die Abmilderung der Folgen des Klimawandels konzentrieren, der nicht zwangsläufig durch den Menschen verursacht sei. Deshalb favorisiert Paweł Bożyk die dritte Variante. Sie lässt kohleintensiven Ländern wie Polen Spielräume und zwinge keinen Energiemix unter Androhung von Strafen auf. Daneben plädiert der Autor für eine verbesserte Energieeffizienz, die in Polen trotz großer Fortschritte noch immer nur halb so hoch wie der EU-Durchschnitt ist.

Der Beitrag von Wiesław Iskra ist deshalb außergewöhnlich, weil er entgegen der Mehrheitsmeinung in Polen eine Zusammenarbeit mit Russland im Energiesektor für rational hält. Das Scheitern der Pläne zum Bau einer Erdgasleitung aus Skandinavien (Baltic Pipe) und einer Ölleitung aus der Ukraine (Odessa-Brody-Płock) sowie die geringe Auslastung des Rohölterminals in Danzig führt der Autor darauf zurück, dass der Öl- und Gasimport aus Russland schlicht und einfach am preiswertesten sei. Dafür sprechen nach Ansicht des Autors auch die stetig zunehmenden Importe von Öl, Gas und Kohle aus dieser Richtung. Iskra begrüßte daher die Verbesserung der polnisch-russischen Beziehungen nach 2010. Der Autor weist auch darauf hin, dass nicht zuletzt die ablehnende polnische Haltung gegenüber Russland zu einer Abkehr vom Ausbau der Jamal-Leitung geführt habe. An die Stelle eines zweiten Stranges sei daher die Nordstream-Leitung getreten. Insgesamt hält der Autor nicht Russland, sondern den seit vielen Jahren unterfinanzierten Kraftwerkspark für die größte Bedrohung der polnischen Energiesicherheit.

Die Stärke des Sammelbandes liegt in der Bereitstellung aufschlussreicher Kennzahlen zum polnischen und europäischen Energiesektor. Diese werden oft in anschaulicher Weise in Form von Schaubildern wiedergegeben. Die gelegentliche Wiederholung einiger Kennziffern stört nicht, sondern macht diese nur einprägsamer. Der Leitbegriff Energiesicherheit bleibt allerdings trotz einleitender Definitionen vage, da sich die folgenden Beiträge nur sporadisch und plakativ auf ihn beziehen. Auch überrascht die relativ geringe Beachtung, die das Thema erneuerbare Energien in den meisten Texten erfährt. Dabei kann gerade der weitere Ausbau erneuerbarer Energien einen wichtigen Beitrag zur Energiesicherheit sowohl Polens als auch der Europäischen Union leisten. Das Thema Atomkraft wird erstaunlicherweise ebenfalls fast komplett ausgeblendet. Darüber hinaus sind einige der angeführten Kennzahlen noch durch die Wirtschaftskrisenjahre nach 2009 verzerrt. Und auch in den letzten zwei Jahren seit Erscheinen des Bandes hat sich gerade im Bereich Energiepolitik vieles verändert: bezüglich des Schiefergases hat sich in Polen Ernüchterung breit gemacht, die USA haben eigene ambitionierte Ziele zur Reduktion des Treibhausgasausstoßes angekündigt, und nach dem außergewöhnlich heißen und trockenen Sommer kann wohl niemand mehr den menschengemachten Klimawandel leugnen.

Inhaltsverzeichnis:

- Wstęp (Paweł Bożyk)

- Pojęcie i miary bezpieczeństwa energetycznego (Paweł Bożyk, Honorata Nyga-Łukaszewska)

- Modele i scenariusze bezpieczeństwa energetycznego (Paweł Bożyk)

- Bezpieczeństwo energetyczne Polski na tle globalnych trendów na światowym rynku energii (Grażyna Wojtkowska-Łodej)

- Bezpieczeństwo energetyczne Polski na tle Unii Europejskiej i Europy środkowej (Ireneusz Bil)

- Miejsce Unii Europejskiej i Polski na globalnym rynku gazu naturalnego (Janusz K. Komosiński)

- Rosja a bezpieczeństwo dostaw gazu ziemnego do Polski w perspektywie do 2020 roku (Jerzy Rutkowski)

- Ewolucja polskiego modelu bezpieczeństwa energetycznego (Wiesław Iskra)

- Wpływ regulacji unijnych na bezpieczeństwo energetyczne Polski w perspektywie 2020 roku (Tomasz Motowidlak)

- Rola regionalizacji w tworzeniu warunków bezpieczeństwa energetycznego Polski (Dorota Niedziółka)

- Wnioski (Paweł Bożyk)

Zitierweise:
Falk Flade: Rezension zu: Paweł Bożyk (red.): Bezpieczeństwo energetyczne Polski w ujęciu autonomicznym i zintegrowanym z Unią Europejską, 2013, in: https://www.pol-int.org/de/node/2691#r3311.