06.12.2016 w Berlin, Niemcy

Vortrag: „Das Denkmal der grauen Busse“ von Horst Hoheisel und Andreas Knitz als nomadisches Gegen-Denkmal

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Vortragsreihe: Multilaterale Erinnerungsorte. Herausforderungen, Erwartungen und Potenziale

im Rahmen des Klaus Zernack Colloquiums

Prof. Dr. Michael G. Müller und Prof. Dr. Robert Traba laden gemeinsam mit Prof. Dr. Igor Kąkolewski ein

zum Vortrag von

Prof. Dr. Marta Smolińska (Poznań):

„Das Denkmal der grauen Busse" von Horst Hoheisel und Andreas Knitz als nomadisches Gegen-Denkmal

Kommentar: Prof. Dr. Gabi Dolff-Bonekämper

Dienstag, den 6. Dezember 2016, 19:00 Uhr

Bibliothek des Zentrums für Historische Forschung Berlin

der Polnischen Akademie der Wissenschaften

Majakowskiring 47

13156 Berlin-Pankow


Das 2006 ins Leben gerufene „Denkmal der grauen Busse" von Horst Hoheisel und Andreas Knitz ist in vielerlei Hinsicht kein traditionelles Denkmal: Es wandert von Ort zu Ort und kann so in Interaktion mit den Einwohnern und ihrer Geschichte bzw. der der Orte treten, an denen es sich befindet. Das den Opfern der sog. Euthanasie-Aktion T4 gewidmete Denkmal lässt sich so als nomadisches (Gegen-)Denkmal verstehen, das wie etwa religiöse Figuren und Bilder bestimmte Botschaften mit sich trägt.

Im Mittelpunkt des Vortrags von Marta Smolińska steht eine Auseinandersetzung mit der Aufstellung des Denkmals vor dem Posener Residenzschloss im Herbst 2014. Den historischen Hintergrund ihrer Überlegungen stellt das Fort VII in Poznań dar, der erste Ort im Wartheland, an dem „Probevergasungen" psychisch kranker und behinderter Menschen durchgeführt wurden. Von zentraler Bedeutung ist hier die Frage nach einer (Dis)Kontinuität des Erinnerungsortes im Kontext des nomadischen (Gegen-)Denkmals. Im Hinblick auf traditionelle Denkmäler und mit ihnen zusammenhängende Erinnerungsklischees hebt Marta Smolińska das kritische Potenzial des nomadischen Wesens des Denkmals hervor. Den theoretischen Rahmen des Vortrags markieren der Begriff des Nomadismus nach Gilles Deleuze und Félix Guattari sowie die Theorien zur Erinnerungskultur nach Pierre Nora und Aleida und Jan Assmann.


Prof. Dr. Marta Smolińska ist Kunsthistorikerin und -kritikerin an der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań. Sie war Fellow an der Graduierten-Schule für Ost- und Südosteuropastudien an der Ludwig-Maximilians-Universität München und an der Arp-Stiftung in Berlin. Darüber hinaus kuratierte sie Ausstellungen zu moderner Kunst. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen Kunstwerke und Kunsttheorien des 19., 20. und 21. Jahrhunderts, die Körperlichkeit von Bildern, die Beziehung von Videokunst und Gemälden sowie die Bedeutung des Raums in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.

Kontakt

Anna Labentz
Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Majakowskiring 47, D-13156 Berlin