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War – Wojna – Війна: Filme gegen den Krieg

Seria: #SolidarnizUkrainą

Bereits zum siebten Mal ging die Filmreihe des Aleksander-Brückner-Zentrums für Polenstudien in Halle/Jena an den Start, die in bewährter Zusammenarbeit mit dem Puschkino in Halle, dem Kino am Markt in Jena und dem Polnischen Institut Berlin – Filiale Leipzig durchgeführt wird. An der Ausgestaltung des Programms sind sowohl Expert*innen als auch Student*innen der Interdisziplinären Polenstudien und benachbarter Studiengänge beteiligt. Das spannende Programm kann dank der großzügigen Förderung durch die Sanddorf-Stiftung umgesetzt werden. An beiden Standorten des Aleksander-Brückner-Zentrums erfreut sich die polnische Filmreihe seit Jahren großer Beliebtheit und bringt nicht nur Slawistik-Studierende vom benachbarten Campus in die beiden Programmkinos am Markt, sondern zieht auch weitere Interessierte an, sich an der Diskussion zu beteiligen – nicht selten bis weit nach Ende der Filme in den nahegelegenen Lokalen.

Den thematischen Fokus gab diesmal die aktuelle politische Lage vor – die russische Invasion in die Ukraine, weshalb der Titel der Reihe "War – Wojna – Війна: Filme gegen den Krieg" lautet.

Gezeigt werden Filme, die sowohl den aktuellen Krieg in der Ukraine, als auch den Bürgerkrieg in Syrien, den Holodomor und das Nachkriegspolen thematisieren. Auch wenn die große Politik den Kontext vorgibt, gilt die Aufmerksamkeit der Reihe vorrangig den einzelnen Menschen und ihren individuellen Erfahrungen. Das wirft eine Reihe von Fragen auf: Welche Schicksale verbergen sich hinter humanitärer Hilfe? Wie hält man unter Dauerbeschuss die eigene Familie intakt und die Träume am Leben? Was bedeutet eine journalistische Berichterstattung über den Völkermord? Ist es möglich, von eigenen traumatischen Verlusten Abschied zu nehmen? 

Als ersten Versuch, sich dieser herausfordernden Thematik zu nähern, diente die Projektion des Films This Rain Will Never Stop am 19. April in Halle und am Tag danach in Jena. Im Anschluss an die Hallenser Aufführung diskutierte Johann Wiede, der Jenaer Koordinator des Aleksander-Brückner-Zentrums für Polenstudien, mit Victoria Leshchenko, Programmdirektorin des größten Doku-Filmfestivals in der Ukraine – Міжнародний фестиваль документального кіно про права людини (Docudays UA), über den Film. Der Film hatte 2020 seinen Kinostart und ist erfolgreich bei vielen Festivals angelaufen. Den Ausgangspunkt des Gesprächs bildete die Wahrnehmung des im Jahr 2020 veröffentlichten und national wie international vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilms vor dem aktuellen Hintergrund des Krieges in der Ukraine. Die Fragen kreisten um das schwierige Verhältnis zwischen der universalistischen Poetik des Films, die durch die imposanten und teils montierten, schwarz-weißen Kamerabilder und die brüchige, irritierende Soundkulisse hervorgerufen wurde – und dem Wissen über den aktuellen Angriffskrieg Russlands. Wäre heute, 2022, ein anderer Film entstanden?

In der Diskussion wurde deutlich, dass die Regisseurin Krieg als etwas Allgemein Menschliches begreift, etwas, das es immer gegeben hat und das an vielen Orten gleichzeitig den Alltag von Gesellschaften, Familien und Einzelnen begleitet, ob medial vermittelt oder direkt, ob körperlich oder psychisch, ob in Syrien, Kurdistan oder der Ukraine. Wie Victoria Leshchenko klarstellte, sei Krieg wiederum eine Erfahrung, die nur die wirklich verstehen, die ihn miterlebt haben – auch das eine Erkenntnis über Grenzen und Möglichkeiten des Dokumentarfilms angesichts extremer Gewalt. In diesem Sinne, so Leshchenko, sei jetzt auch die beste Zeit für die neue, junge Generation ukrainischer Filmschaffender, gerade im Dokumentarfilmbereich. So müsse festgehalten werden, was passiert, als Beweis und Zeugnis des schrecklichen Unrechts. Momentan sei daran jedoch schwer zu denken. Eher sind viele derjenigen, die sonst das Geschehen mit der Kamera begleiten, als Freiwillige weiter in der Ukraine aktiv, so auch Alina Gorlova.

Gefragt nach den Möglichkeiten praktischer Unterstützung für die Arbeit von Filmschaffenden vor Ort, wies Victoria Leshchenko unter anderem auf die Spendenkampagne der Docudays UA hin – jeder Beitrag ist willkommen! Daneben sei es jedoch auch wichtig, an eine dauerhafte Institutionalisierung ukrainischer (Film-)Kultur in Deutschland zu denken. Nach wie vor seien ukrainische Filme und Perspektiven an den Universitäten, in der Öffentlichkeit und eben auch auf europäischen Filmfestivals unterrepräsentiert. Ein Teil der Arbeit der nunmehr in Deutschland lebenden Programmdirektorin sei es deshalb, unterschiedliche Filmfestivals bei der Etablierung ukrainischer Schwerpunkte und Sektionen zu beraten.

Einig waren sich die angeregt diskutierenden Zuschauer*innen sowohl in Jena als auch in Halle, dass gerade die lückenhafte Erzählweise des Films und das kunstvolle Spiel zwischen Nähe und Distanz die Verhandlung allgemeingültiger Motive wie Hass und Freude, Gemeinschaft und Einsamkeit oder Verstehen und Nicht-Verstehen fördere. Auf diesem Weg schafft es This Rain Will Never Stop, einen großen gegenwartsbezogenen Resonanzraum zu öffnen, der durch seine Rezeption mit Leben gefüllt wird, und, wie eine Diskutantin anmerkte, damit durchaus auch Hoffnung für die Zukunft verspreche.

Einen anderen dokumentarischen Zugang zum Konflikt im Donbass hält der nächste Film der Filmreihe, The Earth is Blue as an Orange, ebenfalls aus dem Jahr 2020, bereit. Die junge Regisseurin und Dichterin Irina Tsilyk, die zusammen mit Alina Gorlova am Film Invisible Bataillon (2018) gearbeitet hat, stellt hier das Leben einer alleinerziehenden Mutter mit ihren vier Kindern in der Donbass-Region vor. Hier stellt das Kino und das eigene Filmen wiederum eine Möglichkeit dar, von den Trauamata und der Realität des Krieges zu gewinnen und sich die eigene Menschlichkeit zu bewahren. Wir freuen uns auf die beiden Vorstellungen – in Halle am 10.5. und in Jena am 17.5.

 

Bilder: Collage der Bilder aus einzelnen Filmen der Filmreihe und Diskussion am 19.04.22 in Halle, © privat © CAT&Docs © Tabor/A.Gorlova/jip © Łukasz Bąk © Kochfilms

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Analiza filmu Wojna w mediach #SolidarnizUkraina Wojna Rosji z Ukrainą
Redaktion Pol-Int

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