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Perspektiven junger Wissenschaftler:innen auf die Polenforschung. Einige persönliche Gedanken

Seria: Młodzi badacze o polonoznawstwie
Autor/Autorka Johannes Kleinmann
Opieka redakcyjna Junge DGO

Was bedeutet es, als junge:r Wissenschaftler:in Polenforschung zu betreiben?

Diese Frage hat viele Dimensionen und beschäftigt mich, seitdem ich begonnen habe, am Zentrum für Interdisziplinäre Polenstudien in Frankfurt/Oder zu promovieren. Ich möchte mich im Folgenden an einer persönlichen Antwort aus der Perspektive eines deutschsprachigen Doktoranden versuchen. Zugleich bemühe ich mich, auch Gedanken und Probleme von vielen jungen Wissenschaftler:innen einzubringen, die ich im Bereich der Polenforschung kennenlernen durfte.

Die „Polenforschungs-Bubble“ ist nicht groß, aber umso inklusiver. Schnell habe ich mich in einer kleinen, aber feinen Community wiedergefunden. Gerade unter jungen Wissenschaftler:innen hat das Vorteile; so ergeben sich Kontakte zu spannenden Forscher:innen und es gibt fast immer jemanden, der mich bei Problemen unterstützen konnte oder einen wertvollen Hinweis auf einen mir bisher unbekannten Aufsatz hatte. Gerade in den vergangenen Pandemiejahren war das eine große Stütze, wenn z.B. der eigentlich geplante Archivaufenthalt in Warszawa nicht möglich war. Hinzu kommt der persönliche Aspekt, zumal in den vergangenen Jahren nicht wenige Freund:innenschaften und ein sehr wertvolles Netzwerk entstanden sind. Dabei habe ich bisher nur positive Erfahrungen gemacht – sei es bei der inhaltlichen oder psychologischen Unterstützung oder einfach bei Übernachtungsvermittlungen bei Forschungsreisen. Das sind die Vorteile eines „kleinen“ Faches, wie es die deutschsprachige Polenforschung ist.

Was sind die Probleme der Polenforschung?

Leider gibt es auch Nachteile. Einige davon sind vor allem den geistes- und kulturwissenschaftlich arbeitenden Forscher:innen gut bekannt: Es herrscht Geldmangel und feste Stellen sind Mangelware; #IchBinHanna lässt grüßen. Diese Situation, die für mich als Doktorand für einige Jahre akzeptabel erscheint, wird bei Forscher:innen, die Kinder betreuen müssen, nicht selten zum Kampf um jeden Tag.

Zu diesen allgemeinen Problemen kommen noch solche hinzu, die der Ostmitteleuropa- und Polenforschung inhärent sind. Gemeint sind die mangelnde Sichtbarkeit und der geringe Einfluss dieser Forschung auf die öffentliche Debatte in Deutschland. Wo die Ursachen zu suchen sind und was sich daraus für Folgen ergeben, möchte ich im Folgenden diskutieren. Die Gründe für diese „Nichtbeachtung“ sind zunächst einmal außerhalb des Faches festzumachen. Nach Jahren innerhalb der eigenen „Polen(forschungs)-Bubble“ fällt es leicht, die noch immer herrschende, latente Ignoranz weiter Teile der deutschen Gesellschaft für Polen und generell für Ostmitteleuropa zu verdrängen. Gerade süd- und westdeutsche Polenbilder speisen sich nicht selten aus Erinnerungen an Geschichtsstunden zu Friedrich dem Großen. Diese Aussage ist nur halb polemisch gemeint, habe ich doch selbst mehr als einmal erlebt, dass der einzige Anknüpfungspunkt meines Gegenübers zu Polen die preußische Geschichte war – dabei zieht sich die mangelnde Beschäftigung mit Polen quer durch die Gesellschaftsschichten. Zu oft waren auch Menschen, die zwar Paris, Athen und die amerikanische Ostküste bereist haben, noch nie „im (deutschen) Osten“ oder gar in Ostmitteleuropa. Dies liegt nicht zuletzt an einem noch immer in den Köpfen verankerten Überlegenheitsdenken, das sich aus exotisierenden und neokolonialen Narrativen speist (und nicht selten auch die Gebiete der ehemaligen DDR einschließt). Noch immer wird „der Osten“ mit Rückständigkeit assoziiert, dem das westliche Europa das „Licht der Aufklärung“ zu bringen habe. Die historischen Gründe dafür wurden von Larry Wolff in seinem fantastischen Buch Inventing Eastern Europe: The Map of Civilization on the Mind of the Enlightenment  umfassend analysiert. Am Beispiel Polens werden solche Muster daran deutlich, dass Polen medial oft erst dann auftaucht, wenn es Probleme gibt. Gerade die nationalistische und antidemokratische Politik der PiS brachte das Land in den letzten Jahren immer wieder auch in den Fokus deutscher Medien, die insbesondere den Abbau der Rechtsstaatlichkeit und die Proteste gegen das fast völlige Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen diskutierten. Diese Berichterstattung ist richtig und wichtig – und trotzdem stellt sich die Frage, warum erst jetzt? Es gibt auch Bedarf an einer dauerhaften und ausgewogenen Präsenz des Landes in den deutschen Medien.

Die Ursachen und Folgen dieser Nichtbeachtung Ostmitteleuropas bzw. des „Otherings“ dieser Länder sind fehlendes Grundwissen in der Bevölkerung sowie in (zu) weiten Teilen der Politik und der Medien. Die Folgen zeigten sich am „Nicht-Verstehen“ ostmitteleuropäischer Identitäten und Politiken. Seit dem Beginn des Krieges, den Russland seit 2014 im Donbass und seit dem 24. Februar dieses Jahres gegen die ganze Ukraine führt, zeigt sich das noch einmal auf eine außerordentlich schmerzhafte Weise. Selten zuvor wurde so deutlich, wie sehr es an Ost(mittel)europawissen in Deutschland fehlt. Dies gilt in ganz besonderem Maße für die Ukraine, aber auch für Polen. Wer die polnische Geschichte und Kultur nicht zumindest in Grundzügen kennt, der wird auch polnische Sicherheitsinteressen, Befindlichkeiten oder Probleme nicht verstehen, wie nicht zuletzt die Debatten über Nord Stream II gezeigt haben.

Was folgt aus der Ignoranz, mit der die Polenforschung zu kämpfen hat?

Trotz dieser kritischen Bewertung des deutschsprachigen Diskurses kann die Lösung nicht die Übernahme des populistischen Narrativs der PiS-Regierung von der deutschen Übermacht in Europa sein. Mag an diesem zwar nicht alles falsch sein, so operiert es doch mit problematischen und ahistorischen Argumenten. Auch die Utopie, den deutsch-polnischen Austausch zeitnah auf das Maß des deutsch-französischen Vorbildes zu heben, ist nicht realistisch. Aber das Ziel muss doch zumindest sein, Polen so präsent zu halten, dass die deutsche Öffentlichkeit zur Einordnung grundlegender Debatten in unserem Nachbarland in der Lage ist. Von essenzieller Bedeutung ist es zudem, die eigene Arroganz abzulegen und wahrzunehmen, wie beispielsweise Polen und auch die baltischen Staaten über den Krieg Russlands gegen die Ukraine denken und ihre Expertise anzuerkennen. An diesem Beispiel zeigen sich symptomatisch die realen Folgen dieser Ignoranz.

Mit dem Finger auf „die Gesellschaft“ zu zeigen, reicht zugleich nicht – vielmehr würde es der Polenforschung helfen, sich dabei auch an die eigene Nase zu fassen. Wir müssen politischer werden und Scheuklappen ablegen. Zu oft findet exzellente Forschung im Elfenbeinturm statt. Dabei ist es nötig, unsere Expertise noch viel mehr und ganz aktiv in die öffentliche Debatte zu tragen. Konkret bedeutet dies für die Polenforschung insgesamt und insbesondere für junge Polenforscher:innen, mit mehr Nachdruck Netzwerke und Synergien zu schaffen. Damit sind transnationale Netzwerke zwischen Polen und Deutschland, wie sie beispielsweise durch das Deutsch-Polnische Jugendwerk entstehen, gemeint. Das heißt auch eine verstärkte Zusammenarbeit und Einbeziehung von NGOs in den wissenschaftlichen Diskurs innerhalb wie außerhalb des deutschsprachigen Raumes. Die Vorstellung eines „Sicherheitsabstandes“ zwischen Forschung und politischer Arbeit ist hingegen völlig aus der Zeit gefallen. Einerseits, weil jede Forschung inhärent politisch ist, andererseits, weil die Alternative – eine Politik ohne Expertise – eine sehr schlechte Aussicht darstellt. Das Ergebnis sehen wir täglich, wenn Hobbyphilosophen oder vermeintliche Feministinnen sich als Expert:innen zur Ukraine äußern, ohne sich jemals mit Sprache, Kultur oder Geschichte des Landes beschäftigt zu haben. Dem kann begegnet werden, indem Kooperationen zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Akteur:innen und wissenschaftlicher Expertise gefördert werden. Erst dann kann auch ein „kleines Fach“ genügend ausstrahlen, um weitere Teile von Gesellschaft und Politik zu erreichen.

Genau dieses Ziel – der Aufbau von Netzwerken und die Sichtbarmachung von (mittel)osteuropäischen Perspektiven – ist das Anliegen der Jungen DGO, in deren Namen ich hier schreiben darf. So gibt es in der Regionalgruppe Berlin/Brandenburg einen monatlichen Chai&Piwo-Tisch, bei dem Wissenschaftler:innen, Aktivist:innen oder einfach interessierte Menschen ihre Themen, Perspektiven und Gedanken einbringen und sich vernetzen können. Dabei wurden vor allem Kooperationen zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen und Forschenden vertieft, aus denen Veranstaltungen zur Situation in Belarus, der Ukraine oder Polen entstanden.

Zum Ende ein paar persönliche Gedanken und Schlussfolgerungen

Ich habe einige Probleme der Polenforschung angesprochen – fehlendes Geld, Ignoranz und strukturelle Barrieren. Bleibt also angesichts der anstehenden Aufgaben nur die Kapitulation, die zynische Distanz zum Forschungsbetrieb oder masochistische Selbstaufgabe? Ich denke, das Gegenteil ist der Fall – vielmehr lohnt es sich, für Veränderungen innerhalb wie außerhalb des Forschungsbereichs zu kämpfen. Und was, wenn es doch einmal zu viel wird? Ich denke, dann haben wir ja immer noch uns, szarlotka und piwo.

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