Monograph

Elisa-Maria Hiemer (2019)

Autobiographisches Schreiben als ästhetisches Problem. Jüdische Vielfalt in der polnischen und deutschen Gegenwartsliteratur

Publishing house Harrassowitz
Place of publication Wiesbaden
Page references 212
Series Opera Slavica 65
Language German

ISBN: 978-3-447-11226-0

Jüdische Literatur = Holocaustliteratur? Die Rezeption von Werken jüdischer Autorinnen und Autoren scheint vom historischen Wissen um das Schicksal der früheren Generationen
untrennbar, vor allem wenn der Text autobiographische Bezüge nahelegt. Gleichzeitig erfolgt seitens der Forschung in der Regel eine Einordnung der Texte in das Überlebenden-Narrativ der Schoah. Hiemers narratologisch angelegte Studie hinterfragt diese Praxis und untersucht anhand von vier Beispielen aus der polnischen (Piotr Paziński, Agata Tuszyńska) und der deutschen Literatur (Lena Gorelik, Channah Trzebiner) wie fiktionale, fiktive und abstrakte sowie authentizitätsstiftende Elemente die autobiographische Auseinandersetzung mit dem Judentum gestalten. Diese exemplarischen Positionen zum Jüdischsein werden sowohl aus der Sicht der Gattungsforschung beleuchtet, als auch auf dem Hintergrund der gesellschaftlichen und literarischen Entwicklungen in beiden Ländern betrachtet. Trotz der unterschiedlichen Tendenzen in Polen und Deutschland nach 1989 zeichnen sich gemeinsame Themen in den Werken ab. Sie thematisieren nicht nur den erstarkenden Antisemitismus und die Sicht der ›Enkelgeneration‹, sondern treten für ein pluralistisches Bild des Judentums ein, suchen und erschaffen individuelle zukunftsfähige Konzepte für den Umgang und den Stellenwert des eigenen Jüdischseins.