17.06. until 19.06.2021 in Warszawa, Poland

CALL FOR PAPERS Von der Versöhnung zur Alltäglichkeit? 30 Jahre deutsch-polnische Nachbarschaft. Internationale wissenschaftliche Konferenz

Link to this post: https://www.pol-int.org/en/node/8982

Im Juni 2021 werden es dreißig Jahre sein, seitdem die Republik Polen und die Bundesrepublik Deutschland einen Nachbarschaftsvertrag abschlossen. Er stellte die bilateralen Beziehungen auf eine neue, bis dahin ungekannt breite Basis. Diese drei Jahrzehnte waren von einer Fülle politischer und wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Kontakte geprägt. Dennoch waren die Kontakte nicht ohne Probleme und Konflikte. Schienen sie sich anfangs geradezu automatisch auf eine harmonische Verständigung und Versöhnung hinzubewegen, entstand mit der Zeit ein komplexes Geflecht aus Kommunikation, Abhängigkeiten und Meinungsverschiedenheiten, mithin eine Art deutsch-polnischer Alltäglichkeit.

Haben wir heute tatsächlich eine „erwachsene Nachbarschaft", wie eine Konferenz nach 20 Jahren Nachbarschaftsvertrag hieß? Sind wir nach wie vor „Nachbarn auf Distanz", wie es zum 15. Jubiläum hieß? Oder begegnen wir uns heute auf Augenhöhe? Bei unserer Konferenz möchten wir die vergangenen 30 Jahre wissenschaftlich Revue passieren lassen, aber auch den aktuellen Stand der Beziehungen reflektieren und über künftige Entwicklungen diskutieren. Wir streben eine starke Beteiligung jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen an. Alle Haupt-Sektionen bestehen aus einem Überblicksreferat, mehreren kürzeren Einzelvorträgen, Kommentaren polnischer und deutscher Expertinnen und Experten sowie aus einer Diskussion.

Unsere Konferenz konzentriert sich auf verschiedene Themenkomplexe, zu denen wir gerne Vorschläge für Vorträge (15-20 Minuten) entgegennehmen. Besonders gerne gesehen sind Beiträge, die auf die im Titel der Konferenz gestellte Frage antworten: Haben wir es in dem jeweils behandelten Themenfeld tatsächlich mit einer Versöhnung zu tun und gibt es hier so etwas wie "Alltäglichkeit"? Und was bedeutet das im jeweiligen Gebiet konkret? Was kann man in dem jeweiligen Gebiet in Zukunft erwarten? Was sollte getan werden?

-Wirtschaft. – Die enorme Dynamik der wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Deutschland und Polen steht außer Frage. Aber wie sieht dies aus der Perspektive einzelner wirtschaftlicher Akteure aus? Welche wirtschaftspolitischen Herausforderungen stellen sich? Welche Entwicklungspfade für die nächsten Jahre zeichnen sich ab?

-Grenznahe Zusammenarbeit als Motor der Entwicklung. – Welche entscheidenden Veränderungen haben sich in den vergangenen Jahren ergeben? Welches sind ganz besonders gelungene Beispiele für die grenznahe Zusammenarbeit, und was hat nicht gut funktioniert? Sind die vorhandenen Strukturen der Zusammenarbeit und der vorhandene rechtliche Rahmen effektiv oder benötigen wir neue Impulse und Regelungen?

-Deutsche und polnische Sicherheitspolitik – Gemeinsamkeiten und Divergenzen. – Deutschlands und Polens Sicherheitsinteressen sind eines der Themen, in denen beide Staaten oft unterschiedlicher Auffassung sind. Schon der Begriff „Sicherheit" selbst kann unterschiedlich definiert werden. Dennoch gibt es gerade im Bereich der militärischen Zusammenarbeit auch zahlreiche positive Beispiele. Welche Versuche zur gegenseitigen Annäherung der Standpunkte hat es gegeben? Gibt es Aspekte im Bereich der Zusammenarbeit der Streitkräfte und weiteren Akteuren der Sicherheitspolitik, die besonders erwähnenswert sind? Welche Impulse könnten die Beziehungen im Bereich der Sicherheitspolitik verbessern?

-Zivilgesellschaftliche Akteure der deutsch-polnischen Beziehungen. – Der unstrittig unproblematischste Sektor der deutsch-polnischen Beziehungen sind die zivilgesellschaftlichen Kontakte. Zu selten werden die Veränderungen im diesem Gebiet aber wahrgenommen. Welche Akteurinnen und Akteure haben sich hier in den vergangenen Jahren neu etabliert, welche Netzwerke gibt es, vor welchen Herausforderungen stehen sie? Sind diese Beziehungen Teil eines spezifisch deutsch-polnischen Beziehungsgeflechts oder sind die Netzwerke vielmehr transnational?

-Geschichtspolitik und Erinnerungskultur. – Seit dreißig Jahren steht die Geschichte zwischen Deutschen und Polen, und seit dreißig Jahren verbindet sie. Gemeinsame historische Erfahrungen und die Überlagerung deutscher und polnischer Zeitschichten in den polnischen Westgebieten sind das eine, Auseinandersetzungen um den Zweiten Weltkrieg, die Erinnerung an deutsche Verbrechen und polnische Opfer sowie die Art und Weise des Gedenkens in beiden Staaten teilen jedoch häufig. Welche besonderen Initiativen hat es gegeben? Welche Konzepte sind dabei entstanden? Wie sehr wird die bilaterale Geschichte in der Innenpolitik instrumentalisiert?

Wir möchten Sie bitten, Ihre Bewerbungen (Abstract 1/2 Seite, kurzes Biogramm) bis zum 30.11.2020 in deutscher oder polnischer Sprache zu senden an Frau Iwona Maj-Mehrvarz: PL-D-30@dpi-da.de. Nach der Sichtung der der eingegangenen Unterlagen wird das Organisationskomitee sich bei Ihnen zurückmelden.

Vorbehaltlich der Finanzierungszusagen werden wir die Reise- und Aufenthaltskosten in Warschau übernehmen. Eine Veröffentlichung ausgewählter Tagungsergebnisse in deutscher sowie in polnischer Sprache ist vorgesehen.

Unser Tagungsprojekt besteht aus zwei zusätzlichen Bestandteilen: Am 24. und 25. Juni 2020 findet in Oppeln eine Tagung zum Thema Deutsche in Polen/Polen in Deutschland sowie regionale Aspekte wirtschaftlicher Zusammenarbeit statt, zu der wir getrennt einladen werden. Und die Ergebnisse unserer Debatten werden wir Ende Juni öffentlich in Berlin präsentieren.

Hauptveranstalter: Institut für Politische Studien der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Deutsches Polen-Institut Darmstadt, Łazarski-Hochschule Warschau

Mitveranstalter: Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, Friedrich-Ebert-Stiftung in Warschau, Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung

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Iwona Maj-Mehrvarz