Monograph

Maria Janion (2014)

Die Polen und ihre Vampire. Studien zur Kritik der Phantasmen. Hg. v. Magdalena Marszałek

Publishing house Suhrkamp
Place of publication Berlin
Page references 473
Series Denken und Wissen. Eine Polnische Bibliothek
Language German

ISBN: 978-3-518-42430-8

Maria Janion, Literaturwissenschaftlerin und namhafte Romantikforscherin, ist eine der unumstrittenen intellektuellen Autoritäten in Polen. Sie hat sich stets in politische Debatten eingemischt und in den letzten Jahren ihre Prominenz dazu genutzt, die Frauenbewegung und die wiedererwachte Neue Linke zu unterstützen. Bereits in den frühen Achtzigern machte sie Autoren wie Foucault, Bataille, Susan Sontag, R.D. Laing in Polen bekannt. Ihre Schüler sind die Initiatoren der polnischen Gender-Forschung.

Im Zentrum ihres Werkes steht der Begiff der krytyka fantasmatyczna, die Befragung von Literatur, Film und Kunst auf ihre imaginären Potenziale hin, auf bewusste und unbewusste kulturelle Vorstellungen, Selbst- und Fremdbilder, die in den ästhetischen Gebilden wirksam sind. Ein bedeutendes romantisches Phantasma ist der Vampir als Doppelgänger und Schatten, als »Symbolfigur für die Transgression zum Bösen«. Maria Janions kritische Studien zu Bildern des Weiblichen oder zum „unheimlichen Slawentum“ als dem Unterbewussten der europäischen Kultur provozieren nationalkonservative Kreise bis heute. Was es für die Polen bedeutet, dass ihr Land Schauplatz des Holocaust war, ist eines der großen Themen ihres Spätwerks. Mit ihrem Ruf »Nach Europa, ja! Aber nur zusammen mit unseren Toten« fordert sie, im Anschluss an Adam Mickiewicz' »Ahnenfeier« und Imre Kertész' Rede vom »Holocaust als Kultur«, eine Kultur des Trauerns und Erinnerns.

Maria Janion, 1926 im Nordosten Polens geboren, erlebte als Schülerin in Wilna die sowjetische und die deutsche Okkupation der Stadt. 1945 wurde die Familie nach Lodz expatriiert. Dort studierte Janion Polonistik. Sie schloss sich einer marxistischen Studentenorganistation an, in der auch Leszek Kołakowski und Jerzy Jedlicki aktiv waren. Ihre jahrzehntelange Forschungstätigkeit am Institut für Literaturforschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau verband sie mit der Lehre in Danzig, zunächst an der Pädagogischen Hochschule, dann an der Universität. Seit den späten siebziger Jahren engagierte sie sich für die Solidarność. Zu ihren wichtigsten Büchern gehören: Frauen und der Geist der Andersartigkeit (1996), Das Weinen des Generals. Essays über den Krieg (1998), Der Vampir. Eine symbolische Biographie (2004), Unheimliches Slawentum (2006), Held, Verschwörung, Tod. Jüdische Vorlesungen (2009).

Magdalena Marszałek
ist Professorin für Slavische Literatur- und Kulturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Polonistik an der Universität Potsdam und beschäftigt sich unter anderem mit polnischer Literatur und Kultur der vergangenen zwei Jahrhunderte sowie mit polnisch-jüdischer Kulturgeschichte. Sie hat ein Buch über die Schriftstellerin Zofia Nałkowska verfasst und arbeitet derzeit an einer Monographie mit dem Titel Postmemoriale Ästhetiken in der polnischen Literatur und Kunst.

Weitere Informationen, Inhaltsverzeichnis:

http://www.deutsches-polen-institut.de/publikation...

http://www.suhrkamp.de/buecher/die_polen_und_ihre_vampire-maria_janion_42430.html

  • Die Polen und ihre Vampire. Studien zur Kritik der Phantasmen

    Reviewed by M.A. Anna Baumgartner