Wissen im Untergrund. Polnische Universitäten im 2. Weltkrieg (Arbeitstitel)

Gegenstand des Dissertationsprojekts sind Praktiken der Wissensbildung polnischer WissenschaftlerInnen während der NS-Okkupationszeit. Trotz des rigiden Verbotes, Forschung und Lehre zu betreiben, wurde an vielen Orten und quer durch alle Disziplinen weiterhin versucht, wissenschaftlicher Arbeit nachzugehen. Auf der Grundlage (nach dem Krieg) publizierter Forschungsliteratur, Tätigkeitsberichten und Memoiren, in erster Linie aber unveröffentlichten Archivmaterials, werden die Organisation eines prekären Forschungsalltags sowie Techniken und Taktiken der Geheimhaltung und Desinformation rekonstruiert und auf das epistemische Selbstverständnis der beteiligten WissenschaftlerInnen rückbezogen. Mit Blick auf vier Disziplinen (Historiker, Soziologen, Mediziner, Physiker) wird exemplarisch gefragt, wie sich die wissenschaftliche Praxis im Untergrund praktisch und institutionell reflektierte und (trans)formierte, bzw. ob und wie sich epistemische Ideale (Intersubjektivität, Objektivität, Unabhängigkeit, etc.) unter Ausnahmebedingungen konstituieren. Darüber hinaus wird untersucht, welche Rolle den sog. „Untergrunduniversitäten“ im politischen wie sozialen Selbstverständnis der polnischen WissenschaftlerInnen in jener Zeit zukommt.

Contact

Friedrich Cain