Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte - Königreich Polen 1815-1915

Das von Pascal Trees erstellte Themenmodul umfasst mehr als 80 Quellen, hierunter befinden sich auch 6 Karten, 17 Statistiken und 7 Fotografien. Daneben finden Sie natürlich auch eine umfassende Bibliographie und Chronologie.
Mit "Königreich Polen 1815-1915" wird die Online-Quellenedition des Projektes "Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte" um das 21. Modul erweitert. Es ergänzt den Schwerpunkt zum 19. Jahrhundert in Ostmitteleuropa und bietet der universitären Lehre, aber auch der breiten Öffentlichkeit vielfältiges Material in deutscher Übersetzung an.

„Polens Glück hängt von seiner vollständigen Verschmelzung mit den Völkern meines Reiches ab", sagte Alexander II. am 23. Mai 1856 vor Repräsentanten der polnischen politischen und kirchlichen Eliten in Warschau. Schon ein halbes Jahrhundert war vergangen, seit der Wiener Kongress die russische Herrschaft an der Weichsel sanktioniert und der Zar, damals noch Alexander I., dem dabei geschaffenen Königreich Polen eine Verfassung mit weitreichenden Autonomierechten gewährt hatten. Dazu zählten neben einem eigenen Verwaltungsrat mit Regierungsfunktionen auch Sejm, Senat und selbst eine eigene Armee.
Auf „Verschmelzung" standen die Zeichen anfangs also noch nicht unbedingt. Allerdings hatte der Sieger über Napoleons Grande Armée, Zar Alexander I., nie einen Zweifel daran aufkommen, dass es sein militärischer Triumph und seine faktische Kontrolle des vormaligen Großherzogtums Warschau waren, die Russlands Herrschaft dort legitimierten – oder ihr zumindest ein viel größeres Maß an Legitimität verliehen, als es die Teilungen der Adelsrepublik am Ende des 18. Jahrhunderts je vermochten.
Auf polnische Bemühungen, die in Wien zu errichtenden politischen Grenzen und die erwarteten konstitutionellen Garantien auf Posen und auch auf die östlichen Gebiete der ehemaligen Adelsrepublik auszudehnen, ging der Autokrat allerdings nicht ein. Die polnischen Eliten konnten ihre Handlungsspielräume daher nur im neu geschaffenen Königreich ausloten. Einige Entfaltungsmöglichkeiten hatten sie im Bildungs- und Justizwesen, vor allem aber auf wirtschaftlichem Gebiet, wo die Verheerungen des Krieges noch nachwirkten.

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Antje Coburger, M.A.
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