Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte - Polen in der Piasten- und Anjouzeit

Das von Paul Srodecki erstellte Themenmodul umfasst mehr als 70 Quellen, hierunter befinden sich auch 15 Karten und zahlreiche Abbildungen (9 Fotografien, Gemälde, Zeichnungen). Daneben finden Sie natürlich auch eine umfassende Bibliographie und Chronologie sowie eine Lister der polnischen Herrscher im Mittelalter.

Mit "Polen in der Piasten- und Anjouzeit" wird die Online-Quellenedition des Projektes "Dokumente und Materialien zur ostmitteleuropäischen Geschichte" um das 20. Modul erweitert. Es ergänzt Schwerpunkt zur Epoche des Mittelalters in Ostmitteleuropa und bietet der universitären Lehre, aber auch der breiten Öffentlichkeit vielfältiges Material in deutscher Übersetzung an.

Polens Geschichte kann bis ins Frühmittelalter zurückverfolgt werden. Bereits an der Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert begannen sich zwei westslawische Stämme auf dem Gebiet des heutigen Polens als regionale, auf gentilen Personenverbänden beruhende Machtzentren zu etablieren: das Land der Wislanen mit dem Zentrum Krakau und das Land der Polanen mit den Hauptorten Gnesen und Posen. Die eigentliche, „geschriebene" Geschichte Polens (oder besser: der slawischen Stämme an der mittleren Warthe bzw. in dem Gebiet, das heute als Großpolnische Seenplatte bezeichnet wird) beginnt mit dem ersten historisch fassbaren Herrscher in diesem Raum, Mieszko I. Der Gesandte des Kalifen von Córdoba, Ibrahim ibn Yaqub, erwähnte um 963 in seinem Reisebericht zum ersten Mal das Herrschaftsgebiet Mieszkos I. Nur wenig später berichtete auch Widukind von Corvey in seiner „Sachsengeschichte" von Misacam regem, cuius potestatis erant Sclavi qui dicuntur Licicaviki. Mit seinem Übertritt zum Christentum lateinischer Ausprägung im Jahre 966 stellte Mieszko die politischen wie kulturellen Weichen für die von ihm kontrollierten Gebiete. Sein Sohn, Bolesław der Tapfere, führte die von Mieszko eingeschlagene Linie sowohl innen- wie auch außenpolitisch fort: Die Christianisierung des Landes wurde eifrig vorangetrieben, das Herrschaftsgebiet von dem polanischen Siedlungskern in der Großpolnischen Seenplatte in alle Himmelsrichtungen ausgedehnt. Zugleich lehnte sich Bolesław immer mehr an die weiter entwickelten Zentren im Westen Europas an: Einer unter Otto III. dem ottonischen Kaiserreich wohl gesonnenen Politik folgte – vor allem wegen des Gegensatzes zu Heinrich II., dem Nachfolger Ottos III. auf dem römisch-deutschen Thron – eine stärkere Anlehnung an Rom, die 1025 in der Krönung Bolesławs zum ersten polnischen König gipfelte.

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