28.05.2019 in Berlin , Germany

Künstlerische Bilder von Sportlerinnen im Kontext politischer und sozialer Veränderungen in der Weimarer Republik und in Polen der 1920er Jahre

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Die Läuferin II von Willi Baumeister und das Porträt von Halina Konopacka des Malers Wacław Piotrowski

Künstlerische Bilder von Sportlerinnen im Kontext politischer und sozialer Veränderungen in der Weimarer Republik und in Polen der 1920er Jahre

Das ZHF lädt Sie herzlich ein zum Vortrag von Dr. Przemysław Strożek (IS PAN)

Der Olympische Kunstwettbewerb in Amsterdam, der parallel zu den 9. Olympischen Spielen 1928 eröffnet wurde, war die größte jemals stattfindende Sportkunstausstellung. Im Stedelijk Museum wurden fast 700 Objekte ausgestellt: Gemälde, Skulpturen und architektonische Entwürfe, die den olympischen Geist zum Ausdruck bringen sollten. Trotz einer so großen Ausstellung mit mehreren hundert Arbeiten, waren nur zwei Bilder Sportlerinnen aus der Disziplin der Leichtathletik gewidmet: das Porträt von Halina Konopacka des Malers Wacław Piotrowski sowie das Bild Läuferin II von Willi Baumeister. Eine so geringe Anzahl an künstlerischen Arbeiten, die sich mit Frauen in der Leichtathletik auseinandersetzen, war gewiss damit verbunden, dass das Internationale Olympische Komitee in den ersten acht Olympischen Spielen, bis 1928, Frauen in dieser Disziplin verboten hatte Wettkämpfe auszutragen. Und gerade bei den 9. Olympischen Spielen in Amsterdam debütierten Frauen in dieser Disziplin. Bei diesen Spielen waren es dann auch nur die Frauen, die die ersten und einzigen Goldmedaillen für Polen und Deutschland in der Leichtathletik gewannen: Halina Konopacka im Diskuswurf und Karoline "Lina" Radke-Batschauer im 800-Meter-Rennen.

Die vor den Olympischen Spielen in Amsterdam angefertigten und während der Spiele ausgestellten Gemälde von Piotrowski und Baumeister haben demnach den Triumph der Leichtathletinnen aus Polen und Deutschland, die die männlichen Vertreter dieser Disziplinen dominierten, quasi vorausgesagt.
Beide Gemälde spiegelten auch die gesellschaftlichen Veränderungen wider, die in Polen und Deutschland aufgrund der Entwicklung der Körperkultur und des Frauensports stattfanden.

Die Interpretation beider Bilder im Rahmen der in den 1920er Jahren in beiden Ländern durchgeführten Sportpolitik und der Geschichte der 9. Olympischen Spiele von Amsterdam im Jahr 1928 macht diese Transformationen weitgehend verständlich und erkennbar.

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Dr. Małgorzata Stolarska-Fronia
Zentrum für Historische Forschung Berlin 
der Polnischen Akademie der Wissenschaften
, Majakowskiring 47
, 13156 Berlin