29.09. until 02.10.2020 in Berlin, Germany

CfP: "Internationale Konferenz zur Geschichte und Erinnerung der nationalsozialistischen Konzentrationslager"

  • 29.09. until 02.10.2020
  • Event languages: German, English
  • Deadline for submissions: 31.03.2020
  • Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten; Humboldt Universität zu Berlin
  • Event location: Berlin

Link to this post: https://www.pol-int.org/en/node/8316

[ENGLISH VERSION BELOW]

75 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus stehen die NS- Gedenkstätten vor neuen schwierigen Herausforderungen. Hier sind zunächst die Auswirkungen einer Migrationsgesellschaft mit vielfältigen und differenzierten Teilbereichen auf die didaktische Arbeit zu nennen. Die einstmalige Selbstverständlichkeit familiärer Bezüge zur nationalsozialistischen Vergangenheit ist heute nicht mehr gegeben. Immer mehr Menschen wohnen in diesem Land, deren familiärer Hintergrund nicht oder nur sehr mittelbar vom Nationalsozialismus berührt ist. Dennoch ist die deutsche Geschichte vom Nationalsozialismus unauslöschlich geprägt und die Gegenwart Deutschlands nicht ohne Kenntnis des Nationalsozialismus zu verstehen.

Gerade weil rechtspopulistische Strömungen derzeit in Europa Unterstützung finden und damit vielerorts die Relativierung oder gar Leugnung nationalsozialistischer Verbrechen droht, ist es unerlässlich, die Erinnerung an Krieg, Völkermord und Massengewalt auch nach dem Ende der Zeitzeugenschaft zu bewahren und weiter zu verstärken.
Auf europäischer Ebene beeinflussen und verändern sich nationale Erinnerungskulturen wechselseitig und wachsen dadurch enger zusammen, selbst wenn aktuelle politische Entwicklungen gegenläufige Tendenzen suggerieren. Folgerichtig wird die NS-Herrschaft transnational als europäisches Besatzungsregime betrachtet, das nicht nur Europa gewalttätig geprägt, sondern auch die Gesellschaften in den besetzten Ländern nachhaltig umgeformt hat.

Vor fundamentalen Veränderungen stehen die Gedenkstätten nicht zuletzt aufgrund der Digitalisierung, gilt es doch, in einer Welt mit bislang ungeahnten medialen Möglichkeiten einen Weg zu finden, der den medialen Erwartungen und veränderten Rezeptionsweisen der Besucherinnen und Besucher entspricht und zugleich die Authentizität und Vielschichtigkeit des historischen Orts nicht aufgibt. Der virtuelle Raum bietet Chancen der Visualisierung in situ nicht mehr sichtbarer Spuren, birgt aber zugleich die Gefahr einer Suggestion von Authentizität in sich.

Diese Fragen soll die internationale Tagung zur Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager vom 29. September bis 2. Oktober 2020 an der Humboldt Universität zu Berlin umfassend und nachhaltig diskutieren. Der thematische Zugriff der Tagung erfolgt über die Kategorien Raum, Transfer und Transnationalität.

Raum ist für KZ-Gedenkstätten ein zentraler Begriff, geht es doch in historischer Perspektive vor allem um das Verständnis von Gewalträumen, eine Analysekategorie, die strukturelle Dimensionen der Gewalt und individuelle Handlungsmuster fruchtbar miteinander in Einklang bringen kann. Zudem bietet die Kategorie „Raum" auch Anschlussmöglichkeiten an wissenschaftliche Debatten um soziale Räume sowie um eine neue, den medialen Möglichkeiten entsprechende räumliche Konzeptionierung der Gedenkstätten. Materialität und Visualität sind daher weitere entscheidende Stichworte, um den „spatial turn" für die Arbeit der Gedenkstätten produktiv einzusetzen.

Transfer umfasst sowohl die historische soziale und ökonomische Kontextualisierung der Lager in den damaligen Gesellschaften als auch den Transfer von Gewalt sowie die Verflechtung der Erinnerungskulturen zwischen Gedenkstätten und Gesellschaft heute.

Transnationalität schließlich ist unerlässlich, wenn es um Erinnerungskulturen in einer Migrationsgesellschaft und im europäischen Zusammenhang geht. Gedenkstätten können nicht mehr im Rahmen einer deutschen Nationalgeschichte verstanden werden, sondern als Teil einer komplexen europäischen Gewaltgeschichte, die wechselseitige Bezüge erhellt.

Die geplante Konferenz soll folgende Panels umfassen:

- Transformation des KZ-Systems (Zeit und Phasen)

- Erfahrungsräume

- Materialität, Virtualität, Authentizität

- Gewalträume und Gewalttransfer

- Lager in der Gesellschaft

- Digitalisierung der Erinnerung

Vorschläge für einen Beitrag (3.000 Zeichen max.) mit einem kurzen C.V. in den Konferenzsprachen Deutsch oder Englisch sind bitte als PDF-Datei bis zum 31. März 2020 zu senden an die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten:
Geschichte-und-Erinnerung@stiftung-bg.de

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75 years after the liberation from National Socialism NS-memorial sites are facing new and difficult challenges. The effects of a migration society with diverse and differentiated sub-areas on didactic work has already been discussed several times. In fact, the once self-evident family ties to the National Socialist past are no longer a matter of course. More and more people live in this country whose family background is not or not decisively affected by National Socialism. Nevertheless, German history is indelibly marked by National Socialism and Germany's present cannot be understood without knowledge of National Socialism.

Due to the fact that right-wing populist movements currently find support in Europe and thus the relativization or even denial of National Socialist crimes is threatening, it is indispensable to maintain, even strengthen the memory of war, genocide and mass violence.
At the European level, national memory cultures influence and change each other and thus grow closer together, even if current political developments suggest contrary tendencies. Consequently, Nazi rule is viewed transnationally as a European occupation regime that not only shaped Europe violently, but also permanently transformed societies in the occupied countries.

The NS-memorial sites are facing fundamental changes, not least due to digitalization. In a world with hitherto undreamt-of media possibilities, it is important to find a way to meet the media expectations and changed modes of reception of visitors and at the same time not to abandon the authenticity and complexity of the historical site in virtual space.

The International Conference on the History and Memory of the National Socialist Concentration Camps from 29 September to 2 October 2020 at the Humboldt University of Berlin will discuss these questions comprehensively and sustainably. The conference's thematic approach is based on the categories of space, transfer and transnationality.

Space is a central concept for concentration camp memorial sites, since from a historical perspective it is above all about understanding spaces of violence, a category of analysis that can fruitfully reconcile structural dimensions of violence and individual patterns of action. In addition, the category "space" also offers possibilities of connection to academic debates on social spaces as well as a new spatial conception of the memorial sites that corresponds to the media possibilities. Materiality and visuality are therefore further decisive keywords for the productive use of the "spatial turn" for the work of the memorial sites.

Transfer encompasses both the historical social and economic contextualization of the concentration camps in the societies of the time and the transfer of violence and the interweaving of memory cultures between memorial sites and society today.

Finally, transnationality is indispensable when it comes to memory cultures in a migratory society and in the European context. Memorial sites can no longer be understood within the framework of a German national history, but as part of a complex European history of violence that illuminates mutual references.

The planned conference will include the following panels:
- Transformation of the concentration camp system (time and phases)
- Spaces of experience
- Materiality, virtuality, and authenticity
- Spaces of violence and transfer of violence
- Concentration camps and society
- Digitalization of memory

Please send your proposal (400 words max.) plus a short C.V. in English or in German (both conference languages) as PDF-file until March 31, 2020 to the Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten:
Geschichte-und-Erinnerung@stiftung-bg.de

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