Zeitschriftenaufsatz

Agnieszka Kopec / Stephan Kudert (2015)

Zinsabzug: Die grundlegende Reform der Unterkapitalisierungsregelungen in Polen durch die Steuerreform 2015

Abkürzung der Zeitschrift Internationale Steuer-Rundschau (ISR)
Heftnummer/Volume 1/2015
Seitenzahl(en) 34-39

ISSN: 2194-539X

Steuerliche Unterkapitalisierungsvorschriften (thin capitalization rules) wurden in der jüngsten Vergangenheit sowohl in der EU als auch auf OECD-Ebene diskutiert. Hintergrund beider Initiativen stellt das Problem legaler, aber aggressiver Steuergestaltungen und das Erfordernis zur Erarbeitung gemeinsamer, koordinierter Lösungen dar, um die bestehenden Regelungslücken zu schließen. In diesem Zusammenhang hat der Rat der EU eine für die Mitgliedsstaaten nicht bindende Liste von Indikatoren (Entschließung des Rates v. 8.6.2010, 2010/C 156/01; Ruffert in Callies/Ruffert, EUV/AEUV-Kommentar, Art. 288 AEUV, Rz. 95) erlassen, die auf eine künstliche Gewinnverlagerung hindeuten. Der von der OECD veröffentlichte Aktionsplan BEPS (hierzu ausführlich /, ISR 2013, 68–75) nennt als eines der zurzeit vorhandenen Problemfelder die Steuerverkürzungen, die durch fehlende Regelungen zur Versagung des Zinsabzugs zustande kommen. Um dieses Problemfeld zu bewältigen, wird bis Ende September 2015 die Ausarbeitung einer Empfehlung zur Einführung solcher thin capitalization rules (Maßnahme 4) angestrebt, durch die sich eine übermäßige Reduktion der Steuerbemessungsgrundlagen durch Zinsabzüge und andere Finanzzahlungen beheben ließe. Polen hat den denkbaren Änderungsrahmen antizipiert, indem es mit dem JStG 2015 eine Anpassung der bisher geltenden thin capitalization rules vorgenommen hat. Dieser Beitrag zielt darauf ab, die wesentlichen Änderungen der polnischen Unterkapitalisierungsvorschriften vorzustellen und auf die potentiellen Regelungsprobleme hinzuweisen, die in Zukunft mit der Anwendung der geänderten Zinsabzugsbeschränkungsvorschriften in Polen verbunden sein können.