Biographische Annäherungen an Transnationalität, Geschlechterordnungen und Expertentum in der Wissenschaft: Die polnische Psychologin und Pädagogin Józefa Joteyko (1866-1928) zwischen Belgien und Polen

Im Zentrum des Promotionsvorhabens stehen die polnische Physiologin, Psychologin und Pädagogin Józefa Joteyko (1866-1928) und ihr Umfeld. Wie zahlreiche polnische Bildungsmigrantinnen ihrer Zeit studierte Joteyko Ende des 19. Jahrhunderts in Westeuropa, etablierte sich vor dem Ersten Weltkrieg in Brüssel als Forscherin und Dozentin und kehrte 1919 in den neu gegründeten polnischen Staat zurück, wo sie sich forschend, lehrend und bildungspolitisch engagierte.

Indem ich die Handlungsräume Joteykos in und zwischen Brüssel und Warschau rekonstruiere, strebe ich einen Erkenntnisgewinn über drei Aspekte der Wissenschaftskultur(en) ihrer Zeit an:

- Verflechtungsprozesse zwischen Belgien und Polen, die einen transnationalen, "mitteleuropäischen" Interaktionsraum sichtbar machen: Untersucht wird die wissenschaftliche Sozialisation Joteykos in Brüssel vor dem Ersten Weltkrieg, ihre Beziehungen zu Kolleg*innen der Psychophysiologie und psychopädagogischer Forschung in den polnischen Teilungsgebieten und ihre vielfältigen Netzwerkaktivitäten. Sodann interessiert, inwiefern diese transnationale Ebene wissenschaftlichen Handelns eine Ressource für sie und ihre polnischen Kolleg*innen war - sowohl vor dem Ersten Weltkrieg, als auch im 1918 gegründeten polnischen Staat.
- Die Handlungs- und Deutungsmacht von Psychopädagog*innen in der Zweiten Polnischen Republik (1918-1939), die auf die Bedeutung wissenschaftlichen Expertentums im nationalstaatlichen Kontext verweisen: Wie und in welchen Institutionen brachten sich Joteyko und ausgewählte Kolleg*innen aus dem Grenzbereich von Psychologie und Pädagogik als Wissenschaftler*innen im neuen Staat ein? Gefragt wird dabei nach Intentionen, Möglichkeitsräumen und Grenzen ihres Handelns.
- Geschlechterordnungen: Besonderes Augenmerk liegt auf der Frage, inwiefern die Handlungsräume Joteykos und ausgewählter Kolleginnen von ihrem Geschlecht bestimmt waren. Dies betrifft sowohl die institutionelle Ebene von Inklusions- und Exklusionsmechanismen, als auch die inhaltliche Verknüpfung psychopädagogischer Forschung mit feministischen Interventionen.

Das Quellenmaterial umfasst wissenschaftliche Zeitschriften und Publikationen, Kongressberichte und Archivakten von Forschungs- und Bildungseinrichtungen in Brüssel, Paris und Warschau.

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Sophie Schwarzmaier